Pascal Leddin: Rede zur Vogelgrippe (Aktuelle Stunde CDU)

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TOP 21A Aktuelle Stunde (CDU) zur Vogelgrippe

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Herr Mohrmann, was war das gerade für eine Rede? Sie haben einfach undifferenziert ein ganzes Arsenal an Anschuldigungen rausgehauen, ohne auch nur eine einzige konkrete Antwort mitzuliefern.

Sie wissen, genauso wie wir, dass eine landesweite Aufstallpflicht das Seuchengeschehen nicht beeinflussen würde. Sie wissen, genauso wie wir, dass eine landesweite Aufstallpflicht zu viel Tierleid führen würde. Sie wissen, genauso wie wir, dass in den Veterinärämtern Expertinnen und Experten sitzen, die die Situation viel besser vor Ort einschätzen können. Und Sie wissen, genauso wie wir, dass eine landesweite Aufstallpflicht genau aus diesen Gründen noch NIE durch das Land angeordnet wurde. Noch nie.

Und trotzdem, fordern Sie die Ministerin auf, eine landesweite Aufstallpflicht anzuordnen?! Das ist unredlich und das wissen Sie auch! Ihre Rede war nicht nur undifferenziert, sondern auch schlichtweg unfair. Weil Sie selbst keine Antworten haben, hauen Sie eine Anschuldigung nach der anderen raus, wobei sie selbst wissen, dass das alles nicht stimmt. Das ist unmoralisch und von Ihnen hätte ich mehr Anstand erwartet!

Denn da draußen wurden weit über 1 Million Tiere getötet. Betriebe kämpfen um ihr Überleben, Kraniche stürzen tot vom Himmel und in den Veterinärämtern brennt es an allen Ecken und Enden. Und während Sie hier Anschuldigungen formulieren, arbeiten dort draußen Menschen an echten Lösungen. Und es wäre eine Frage des Respekts, dafür auch einmal Danke zu sagen.

Scheinbar hatten Sie dafür keine Zeit, deswegen Danke an alle Menschen, die Tag und Nacht für eine Eindämmung des Seuchengeschehens kämpfen. Zumindest wir denken an euch.  Und an der Stelle bedanke ich mich bei allen Menschen, die an den Lösungen arbeiten, Tag und Nacht und weit über das hinaus gehen, was man verlangen kann.

Und trotzdem bekämpfen Sie, Herr Mohrmann, nur Feuer, die woanders gelegt werden. Jedes Jahr reden wir immer wieder über dieselben Probleme. Jedes Jahr die gleichen Statements und jedes Jahr sind alle geschockt, wenn wieder zehntausende, hunderttausende oder Millionen Tiere gekeult wurden. Anders als Sie es gerade vorgetragen haben, liegt die Schuld aber nicht an einem schlechten Seuchenmanagement, im Gegenteil.

Und auch wenn es weh tut, wir müssen endlich über die Probleme reden. Wir tun alle so, als wären die Kraniche das Problem, als wäre es gottgegeben, dass das Virus durch den Vogelzug in unsere Ställe kommt. Die Kraniche sind in der Geschichte aber die eigentlichen Opfer. Weil sie das ausbaden, was wir verzapft haben.

Das Virus konnte sich in den dicht bepackten Ställen rasant weiterentwickeln, insbesondere bei Geflügel, das so hochgezüchtet wurde, dass es defacto kein Immunsystem mehr hat. Wir haben Megaställe mit zehntausenden Tieren, das Virus kann sich ungehindert ausbreiten und weiter mutieren.

Es gibt zig Studien die das belegen. Es gibt Forschungen zum H5N1 und H7N9 Virus in China, H5N8 in Frankreich, egal wo auf der Welt, alle kommen zu einem Ergebnis: Diese Viren sind vor allem durch Mutationen in dicht bepackten Geflügelställen entstanden.

Dass, Herr Mohrmann, ist wissenschaftlicher Konsens. Und Sie stellen sich hier hin und verschließen die Augen davor. Sie gucken einfach nicht hin. Aber nur weil das Kind die Augen verschließt oder sich versteckt und das Feuer nicht sieht, ist es doch nicht weg. Das vermitteln wir eigentlich schon im Kindergarten. Herr Mohrmann, Sie haben die Augen davor verschlossen und zeigen jetzt mit dem Finger auf andere. So sollte keine Oppositionsarbeit aussehen.

Lassen Sie uns im Ausschuss darüber sprechen. Lassen Sie uns darüber sprechen, dass die Vogelgrippe vor allem in geflügeldichten Regionen vorkommt. Lassen Sie uns darüber sprechen, dass vor allem Stallhaltungen betroffen sind. Lassen Sie uns darüber sprechen, dass diese Megaställe einfach nicht mehr haltbar sind. Lassen Sie uns darüber sprechen, dass Zoonosen eine der größten Bedrohungen für unsere Gesundheit sind.

Und wenn wir schon mal dabei sind, dann lassen Sie uns auch über den massenhaften Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Geflügelwirtschaft reden.

Herr Mohrmann, liebe CDU, lassen Sie uns nicht die Augen vor den Problemen verschließen – sondern sie anpacken und lösen. Eine besser Oppositionsarbeit muss doch machbar sein.

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